🌾 Künstliche Selektion

Der Mensch als Züchter – aus Wildschwein, Wolf und Wildgras wird Hausschwein, Hund und Mais

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Worum geht es?

Fast alles, was wir essen und halten, ist gezüchtet: Das Hausschwein stammt vom Wildschwein ab, jeder Hund vom Wolf, jedes Maiskorn von einem unscheinbaren mexikanischen Wildgras. Niemand hat diese Formen „erfunden“ – Menschen haben über tausende Generationen immer wieder ausgewählt, welche Tiere und Pflanzen sich fortpflanzen dürfen. Das nennt man künstliche Selektion oder Zuchtwahl.

VariationDer RohstoffIn jeder Generation sind die Nachkommen ein bisschen verschieden (App ①: Rekombination & Mutation). Ohne diese Unterschiede gäbe es nichts auszuwählen.
Züchtung erschafft nichts Neues aus dem Nichts. Sie kann nur verstärken, was in der Population schon vorhanden ist. Deshalb ist die genetische Vielfalt einer Population ihr wertvollstes Kapital – ist sie aufgebraucht, steht die Zucht still. Neue Varianten liefern nur Mutationen. Beobachte im Zuchtstall die Anzeige „Genetische Vielfalt“.
AuswahlDer Mensch entscheidetDu legst das Zuchtziel fest und wählst pro Generation aus, welche Individuen Eltern werden dürfen. Nur ihre Anlagen gehen weiter.
Genau hier liegt der Unterschied zur natürlichen Selektion: Dort entscheidet die Umwelt, wer überlebt und sich fortpflanzt – und der Maßstab ist immer die Fitness, also der Fortpflanzungserfolg. Bei der Zuchtwahl entscheidet der Mensch, und sein Maßstab ist der eigene Nutzen: mehr Fleisch, größere Kolben, ein handlicher Begleiter.
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PreisWas dabei verloren gehtWas dem Menschen nützt, muss dem Lebewesen nicht nützen. Mit jeder Generation sinkt die Fähigkeit, ohne den Menschen in der Natur zu überleben.
Ein Mastschwein hätte im Wald keine Chance, ein Mops kann nicht ausdauernd rennen, und ein Maiskolben kann seine Körner nicht mehr selbst aussäen – ohne Menschen wäre der Mais in wenigen Jahren verschwunden. Bei extremer Zucht auf ein einziges Merkmal spricht man von Qualzucht, wenn dem Tier dadurch dauerhaft Leid entsteht. Beobachte im Zuchtstall die Anzeige „Überlebensfähigkeit in der Natur“.

Wählt euer Zuchtprojekt

Jede Gruppe übernimmt ein Zuchtprojekt. Am Ende vergleicht ihr eure Ergebnisse im Tab Vergleich.

So läuft eine Zuchtrunde: Du siehst 12 Individuen einer Generation. Tippe 2 bis 4 davon an – nur diese dürfen sich fortpflanzen. Drücke „Weiterzüchten“, und du bekommst 12 Nachkommen dieser Eltern. Wiederhole das, bis dein Zuchtziel erreicht ist.

Tab 1 · Zuchtstall

Noch kein Projekt gewählt. Geh zurück zum Einstieg und wähle euer Zuchtprojekt aus.

Tab 2 · Vergleich der drei Zuchtprojekte

Tragt eure Ergebnisse zusammen. Was auf diesem Gerät gezüchtet wurde, steht schon da (grün hinterlegt) – die Zahlen der anderen Gruppen tragt ihr von Hand ein.

ZuchtprojektZuchtzielGenerationen bis zum ZielÜberleben in der Natur am EndeWas ist euch aufgefallen?

Die echten Zuchtwege

Beim Vergleich beachten: Die Fotos zeigen die heutigen End­punkte – dazwischen liegen tausende Generationen. Die Zeichnungen im Zuchtstall sind bewusst schematisch: Sie zeigen nur die drei Merkmale, an denen ihr gezüchtet habt.

Leitfragen für den Vergleich

1. Alle drei Gruppen haben unterschiedliche Merkmale gezüchtet – was war trotzdem bei allen gleich?
Immer galt dasselbe Prinzip: Variation vorhanden → Auswahl durch den Menschen → Vererbung an die nächste Generation → viele Generationen lang wiederholen. Und immer sank dabei die genetische Vielfalt und die Überlebensfähigkeit in der Natur. Der Mechanismus ist derselbe, nur das Zuchtziel ist verschieden.
2. Warum gibt es Hunderassen vom Chihuahua bis zur Dogge, aber nur eine Wildform (den Wolf)?
Weil Menschen an verschiedenen Orten verschiedene Zuchtziele verfolgt haben: Hüten, Jagen, Bewachen, Schoßhund. Aus einer Ausgangspopulation entstehen durch unterschiedliche Auswahl in getrennten Zuchtlinien stark verschiedene Formen. Genau dieses Muster – eine Ausgangsart, getrennte Linien, auseinanderlaufende Merkmale – begegnet euch bei der Artbildung wieder, nur ist dort die Umwelt der Auswählende.
3. Darwin hat die Tierzucht als „Beweis im Kleinen“ für seine Evolutionstheorie benutzt. Was konnte er damit zeigen – und was nicht?
Zeigen konnte er: Lebewesen sind veränderlich; durch Auswahl über viele Generationen entstehen aus einer Ausgangsform sehr verschiedene Formen – Arten sind also nicht unveränderlich. Nicht zeigen konnte er: dass in der Natur auch ohne einen planenden Züchter dasselbe passiert. Dafür brauchte er den zweiten Gedanken – dass die Umwelt selbst auswählt (natürliche Selektion). Und: Aus den Zuchtformen sind trotz großer Unterschiede keine neuen, voneinander getrennten Arten geworden – Hunde und Wölfe können sich weiterhin fortpflanzen.

Tab 3 · Reflexion & Quiz

Haltet fest, was ihr beobachtet habt, und prüft euer Verständnis. Die richtigen Antworten füllen den Fortschrittsbalken.

Zum Nachdenken (offen)

1. Warum kommt die Zucht irgendwann nicht mehr voran, obwohl ihr weiter die besten Eltern auswählt?
Selektion erschafft nichts – sie siebt nur aus dem aus, was da ist. Wählt ihr immer nur wenige, extreme Eltern, tragen bald alle Nachkommen fast dieselben Anlagen: Die genetische Vielfalt ist aufgebraucht, die Nachkommen streuen kaum noch. Ohne Unterschiede gibt es nichts mehr auszuwählen – die Zuchtlinie erreicht ein Plateau. Nur Mutationen können neue Varianten nachliefern.
2. Was ist der entscheidende Unterschied zwischen künstlicher und natürlicher Selektion?
Der Mechanismus ist derselbe (Variation → Auswahl → Vererbung → viele Generationen). Verschieden ist, wer auswählt und nach welchem Maßstab: Bei der künstlichen Selektion wählt der Mensch nach seinem Nutzen aus – zielgerichtet und sehr schnell. Bei der natürlichen Selektion wählt die Umwelt aus, und der Maßstab ist der Fortpflanzungserfolg – ohne Ziel und Absicht. Deshalb können bei der Zucht Merkmale entstehen, die dem Lebewesen selbst schaden; in der Natur wäre so etwas sofort ausgesiebt worden.
3. Mais kann seine Körner nicht mehr selbst aussäen. Ist das für den Mais ein Vorteil oder ein Nachteil?
Beides – je nach Maßstab. Ohne Menschen wäre Mais binnen weniger Jahre ausgestorben: Er hat seine wichtigste Überlebensfähigkeit verloren. Mit Menschen ist er eine der erfolgreichsten Pflanzen der Erde – er wächst heute auf über 200 Millionen Hektar, weil Menschen ihn aussäen, düngen und schützen. Aus Sicht der Evolution zählt der Fortpflanzungserfolg – und den hat der Mais, nur eben in einer Partnerschaft mit dem Menschen.

Kontrolle (Quiz)